Standespolitisches

 

Seit Jahren verschlechtert sich die Situation der Schweizerischen Hausärzte langsam aber stetig.

 

In der ärztlichen Ausbildung wird die Hausarztmedizin seit Jahren sträflich vernachlässigt. Erste Versuche, an den Universitäten Lehrstühle für Hausärzte einzurichten sind zwar ein Lichtblick, vermögen aber die schweren Defizite bei weitem nicht auszugleichen.

 

Die Ausbildung der Jungärzte ist dementsprechend nicht mehr genügend, was die Anforderungen an einen Hausarzt, vor allem einen Landarzt betrifft. Die Anzahl Hausärzte in der Schweiz nehmen kontinuierlich ab, vor allem in den ländlichen Gegenden. Die Überalterung ist relativ weit fortgeschritten, Gegenden, in denen der Altersdurchschnitt ca. 60 Jahre beträgt sind nicht selten. Mittelfristig droht ein Hausärztemangel. Diese Gefahr haben wir Hausärzte schon vor vielen Jahren erkannt und davor gewarnt, ohne dass uns Gehör verschafft worden wäre.

 

Zusätzlich wir von politischer Seite, vor allem vom Bundesamt für Gesundheit BAG, trotz gegenteiliger Beteuerungen nichts unterlassen, was den Hausarztberuf noch unattraktiver macht:

 

Es wird versucht, die Selbstdispensation abzuschaffen, die Labortarife wurden schon in kurzer Zeit das zweite Mal empfindlich gesenkt, sodass etliche Labortarife nicht mehr kostendeckend sind.Daran ändert der lobenswerte Beschluss von BR A. Berset , die Hausarztmedizin aufzuwerten nicht viel. Immerhin fühlt sich die Aerzteschaft unter der neuen Führung mehr verstanden als früher. Der bürokratische Apparat erreicht uferlose Ausmasse. Wirklich wirksame kostendämpfende Massnahmen werden aus übertriebener Rücksicht vom Bund nicht durchgeführt, wir denken zum Beispiel an die überhöhten Medikamentenpreise, einige sehr kostenintensive Bereiche der Medizin und an die Spitalmedizin. Im Weiteren nimmt das BAG die Kontrollfunktion gegenüber den Krankenkassen nur ungenügend war. Gerade die Krankenkassen verschleudern Gelder, in dem sie teure Werbungen in den Medien, unter anderem auch am Fernsehen durchführen, nur um gute Risiken gegeneinander abzuwerben.

 

Im Weiteren besteht der starke Verdacht, dass durch übertriebene Bürokratie und schlechte Organisation, durch Spekulationen an den Geldmärkten sowie durch Umverlagerung der Gelder von billigeren zu teuren Kantonen und von den freien Arztpraxen in die HMOs  Geld verschleudert wird. Diese Vermutungen könne solange nicht bewiesen werden, bis die Kassen  auf Druck des BAG endlich alle Zahlen bis ins letzte Detail auf den Tisch legen müssen.

 

Obwohl zweifelsohne bewiesen ist, dass in den selbstdispensierenden Kantonen, das heisst in den Kantonen wo die Ärzte die Medikamente direkt abgeben dürfen (das sind mittlerweile die Mehrzahl der Kantone), die Kosten deutlich billiger sind, gibt es immer noch Leute, vor allem im BAG, die die Selbstdispensation bei den Ärzten abschaffen möchten. Dies würde wiederum eine Erhöhung der Kosten, eine verschlechterte medizinische und medikamentöse Versorgung der Bevölkerung und einen qualitativen Abstieg bedeuten.

 

Wir Hausärzte wehren uns seit langem gegen alle diese unserer Meinung nach schlechten Entwicklungen, die vor allem die  Patientinnen und  Patienten betreffen. Deshalb haben wir auch beschlossen, vor einigen Jahren eine Initiative zur Förderung der Hausarztmedizin einzureichen. Wir Hausärzte sind mit Ihnen ,liebe Patientinnen und Patienten ,eng verbunden und wir hoffen deshalb, dass Sie aktiv an den kommenden Diskussionen teilnehmen. Mittlerweile wurde die Initiative zurückgezogen , Der Gegenvorschlag des Parlamentes kam in der Zwischenzeit vors Volk. Meines Wissens wurde eine Abstimmung in der ganzen Geschichte der Schweiz nie mit einem so überwältigenden Ja-Anteil angenommen wie der Gegenvorschlag zur Hausarztmedizin, Ja zur Grundversorgung. Die allergrösste Mehrzahl der Aerzte standen auch bei diesem Gegenvorschlag dahinter und wir freuen uns , dass das CH Volk das JA zur GV so mtgetragen hat. Das ist v.a. ein enormer Vertrauensbeweis gegeüber den vielen Hausärzten! Wir werden jetzt sehr wachsam sein, wenn es um die gesetzliche Umsetzung dieses Verfassungsartikels geht.

 Erst kürzlich wurde das Institut für Hausarztmedizin und Community Care  (IHAM&CC) Luzern gegründet.

Diese sehr wichtige Organisation setzt sich für die Fort- und Weiterbildung der ÄRZTE ein, hilft in der Vermittlung von Stellen und bei Neubesetzungen von Arztpraxen.

Wir sind froh um diese Institution und danken den beteiligten Hausärzten herzlich für das Engagement!

Politische Veränderungen stehen laufend an. Es gilt wachsam zu bleiben.

 

Wir Hausärzte bleiben dran!!

 

Weitere Informationen finden Sie unter der Website der VLUHA  (www.vluha.ch).

 

 

Allen Widrigkeiten zum Trotz bemühen wir uns, Sie weiterhin kompetent und mit der bisherigen Empathie weiterzubehandeln nach unserem besten Wissen und Gewissen.

 

Wir fordern Sie aber auf, anlässlich von Abstimmungen und Wahlen genau darauf zu achten, welche Politiker sich für die Hausärzte und für das Patientenwohl einsetzen und welche nicht. Diese Entscheidungen sollten auf Grund der fachlichen und menschlichen Kompetenz erfolgen und nicht in erster Linie auf Grund des Parteibuches.